Mainz Pouch 1 - Sebsthilfegruppe Blasenkrebs Velbert

Selbsthilfegruppe
Blasenkrebs
Velbert
Direkt zum Seiteninhalt

Mainz Pouch 1

Harnableitungen
Der Mainz Pouch 1
die Neoblase mit Bauchdeckenanschluß (Mainz Pouch 1) kontinente Harnableitung


Der Pouch gehört zu den kontinenten Harnableitungen.
Pouch ist englisch und heißt Beutel; eine Pouchblase ist demnach ein Sammelbeutel für Urin. Der Pouch  wird, wie zur Zeit jede Ersatzblase aus dem eigenen Darm konstruiert. Obwohl mittlerweile diverse Modifikationen stattgefunden haben bezüglich der verwendeten Darmabschnitte und Operationstechniken, hat sich für  die Neoblase mit Bauchdeckenanschluss die Bezeichnung Mainz-Pouch 1 etabliert.

Zur Herstellung einer Ersatzblase mit Bauchdeckenanschluss wird ein etwa 80-100 cm langes Darmstück aus dem Magen-Darm-Kanal  herausgetrennt, wobei die Blutversorgung erhalten bleibt. Die  verbliebenen Darmteile werden wieder miteinander verbunden.
Das entnommene Darmstück wird längs aufgeschnitten und zu einer Platte zusammengenäht, aus welcher man ein kugeliges Reservoir, den Pouch konstruiert. Dadurch wird auch die natürliche Kontraktionsbewegung des Darms ausgeschaltet. In diesen Beutel werden die beiden Harnleiter eingepflanzt, sodass der von den Nieren produzierte Urin in die neue Blase fließen kann. Um die neue Blase leeren zu können, wird sie durch ein Anschlußstück, ebenfalls aus Darm, mit einer Öffnung  in der Bauchdecke verbunden, meistens aus kosmetischen und funktionellen  Gründen im Nabel; diese Öffnung nennt man Nabelstoma. Das  Anschlussstück funktioniert wie ein Ventil, das bei steigendem Füllungsdruck des Pouch komprimiert wird und diesen “wasserdicht” verschließt. Zum Leeren der Blase wird ein dünnes Plastikröhrchen, ein Katheter, durch das Anschlußstück in den Pouch geschoben, wodurch der Urin problemlos abfliessen kann.


Mögliche Folgeprobleme einer Ersatzblase
Die neue Blase ist aus Darmschleimhaut, woraus sich folgende Probleme ergeben können:

  • Schleimbildung:  die Darmschleimhaut produziert immer noch Schleim, der sich jedoch durch reichliche Trinkmengen so dünnflüssig halten lässt, dass er  problemlos mit dem Urin ausgeschieden werden kann
  • Metabolische Azidose:  die Darmschleimhaut behält ihre Fähigkeit, Salze zu resorbieren bei. Dadurch gelangen Elektrolyte, die zur Ausscheidung vorgesehen sind, zurück in den Blutkreislauf. Daraus kann eine metabolische Azidose  (stoffwechselbedingte Übersäuerung) enstehen, die man aber leicht mit  Hydrogencarbonaten abpuffern kann.
  • Durchfälle: abhängig von den zur Herstellung der Ersatzblase verwendeten  Darmabschnitten kann es zu verminderter Resorption von Gallensäuren  kommen. Diese gelangen in den Dickdarm, wo sie u.a. durch Reizung  Durchfälle verursachen. Mithilfe von Medikamenten z.B. Austauscherharzen  kann man diese Durchfälle verhindern.
  • Vitamin B12 Mangel: sehr häufig wird das terminale Ileum zur Herstellung einer Ersatzblase verwendet; als Folge fehlt der Resorptionsort für bestimmte Vitamine, insbesondere Vitamin B12. Etwa drei bis fünf Jahre nach Bildung einer Neoblase sind die körpereigenen Speicher erschöpft. Vitamin B12 muss dann per Injektion substituiert werden.
  • Steinbildung in der Neoblase: manche  Neoblasen neigen zur Steinbildung; durch reichliches Trinken lassen  sich diese jedoch meistens verhindern. Kleine Steine können ambulant zertrümmert und dann auf normalem Wege ausgeschieden werden.
  • Neoplasien: an den Verbindungsstellen von Darmschleimhaut mit Urothel besteht gelegentlich die Gefahr bösartiger Neubildungen. Durch regelmäßige Kontrolluntersuchungen werden diese jedoch frühzeitig erkannt und entfernt.

Pouchspezifische Probleme

  • Inkontinenz:  eine gefürchtete Komplikation des Pouch ist eine Undichtigkeit des Kontinenzmechanismus`. Normalerweise dauert es am Anfang ein wenig, ehe die neue Blase soviel Füllungsdruck ausübt, dass das Ventil völlig sicher abdichtet. Gelegentlich findet man eine Überlaufinkontinenz bei Überfüllung durch zu große Katheterisierungsintervalle. In seltenen  Fällen ist allerdings der Kontinenzmechanismus irreversibel beschädigt und muss durch eine Revisionsoperation korrigiert werden.
  • Stomastenose: Gelegentlich kommt es durch Vernarbungen zu Verengungen des Anschlussstückes, so dass es nicht mehr möglich ist, einen Katheter einzuführen. Durch eine Schlitzung kann diese Verengung beseitigt werden


Mainz Pouch
Selbsthilfegruppe Blasenkrebs Velbert
Zurück zum Seiteninhalt